Kritik an Vonovia und LEG wächst

Die beiden größten börsennotierten Wohnungsunternehmen – die Vonovia SE und die LEG Immobilien SE – werden am 21. bzw. 27. Mai ihre Hauptversammlungen durchführen. Seit Jahren stehen sie wegen hoher Mietabschöpfung und mangelhafter Wohnungsbewirtschaftung in der Kritik. Diese Kritik hat sich im vergangenen Jahr durch fragwürdige „Innovationen“ und zahlreiche Konflikte mit Mietenden weiter verschärft. Bei beiden Unternehmen lassen die Pläne zum Ausbau des „Value-Add“-Segments neue Auseinandersetzungen erwarten. Bei Vonovia kommen zudem die Folgen und Risiken von Weiterverkäufen hinzu.

Nach den Phasen kreditfinanzierten Wachstums und der folgenden Zinskrise suchen die börsennotierten Wohnungsunternehmen nach angepassten Strategien. Für die Vonovia SE ist es die erste Hauptversammlung unter dem neuen CEO Luka Mucic. Die Vonovia soll deutlich entschuldet werden und ihr Nicht-Vermietungsgeschäft („Value Add“) im Bereich der wohnungsbezogenen Dienstleistungen, der seriellen Modernisierung, der Energiewirtschaft und der Digitalisierung der Wohnungsbewirtschaftung ausbauen. Dafür sollen Wohnungsbestände in größerem Umfang veräußert werden. Auch die LEG Immobilien SE setzt auf den Ausbau der Zusatzgeschäfte, vor allem im Bereich der Wärmeversorgung, hat aber keine größeren Entschuldungsziele bekannt gegeben.

Die Geschäftsmodelle beider Konzerne führen schon seit Langem zu überdurchschnittlichen Mietsteigerungen, undurchsichtigen Abrechnungen und unbefriedigenden Leistungen für viele Mietende. Nun kommen neue Herausforderungen auf sie zu.

Mit ihren Verkäufen scheint sich die Vonovia SE zuerst der energetisch besonders sanierungsbedürftigen Wohnungsbestände zu entledigen. Dadurch steigt die Gefahr von Eigenbedarfskündigungen und Desinvestitionen. Die Vonovia stiehlt sich aus ihrer Verantwortung für die soziale energetische Sanierung.

Mit überhöhten Neuvertragsmieten, erfundenen Mietspiegelaufschlägen und immer höheren Betriebskosten – zum Beispiel durch Versicherungen – gelten Vonovia und LEG in vielen Städten als Mietentreiber Nr. 1. Auch der Einbau smarter Technologien wie der Multifunktions-Rauchmelder bei der Vonovia führt zu Mietprotesten. Vor allem bei der LEG Immobilien SE werden die Klagen der Mieterschaften über unzureichende Instandsetzungen, unerreichbare Verwaltungen und willkürliche Drohungen immer lauter.

Auf ihren Hauptversammlungen am 21. Mai in Bochum (Vonovia) und am 27. Mai in Düsseldorf (LEG) sollen die AktionärInnen erneut hohe Dividendenausschüttungen und Vergütungen für das Management beschließen. Kritische AktionärInnen und MietervertreterInnen halten dagegen: Das Geld muss in den Unternehmen bleiben und dafür eingesetzt werden, ein Downgrading der Wohnungsbestände im Zuge von Verkaufsketten zu vermeiden, die Missstände in der Wohnungsbewirtschaftung zu beheben und die Quartiere ohne finanzielle Überlastung der BewohnerInnen energetisch zu erneuern.