Aufruf: Artikel 15 verteidigen – Wohnraumvergesellschaftung bundesweit umsetzen!
Aufruf zum Protest gegen das geplante Vergesellschaftungsverbot und für die Bildung eines breiten Vergesellschaftungsbündnisses
Am 11. Juni 2026 hat die Sonder-Bauministerkonferenz der Forderung Bayerns und Nordrhein-Westfalens, der Vergesellschaftung von Wohnungsbeständen „strikte Grenzen zu setzen“, ihre Zustimmung erteilt. Bereits am 2.7.2026 ist die Bundesregierung diesem Vorstoß gefolgt und hat beschlossen, ein Gesetz zu erarbeiten, das die Vergesellschaftung von Wohnraum durch die Bundesländer verbietet.
Wir sind entsetzt, und wir sind entschlossen, uns diesem Angriff zu widersetzen.
Statt noch mehr Macht der Immobilienkonzerne brauchen wir mehr gesellschaftliche Kontrolle, damit alle Menschen eine sichere und bezahlbare Wohnung haben.
Der Vorstoß der Bauminister*innen und der Beschluss des Bundeskabinetts richten sich gegen den Berliner Volksentscheid zur Vergesellschaftung der Wohnungen großer Immobilienkonzerne. Er ist eine Kampfansage an die sich bei den Berliner Landtagswahlen abzeichnende parlamentarische Mehrheit für ein Vergesellschaftungsgesetz. Er stellt damit einen Angriff auf die demokratische Mehrheitsentscheidung der Berliner Bevölkerung sowie auf die Gesetzgebungskompetenz der Bundesländer im Bereich des Wohnungswesens dar.
Darüber hinaus zielt der Vorstoß darauf ab, die Vergesellschaftung als notwendigen Baustein zur Lösung der Wohnungsfrage im gesamten Bundesgebiet auf Dauer unmöglich zu machen oder Artikel 15 in eine bloße Regulierung des privaten Marktes umzudeuten. Es soll die Möglichkeit zur Schaffung gemeinwirtschaftlicher Alternativen zur Profitwirtschaft grundsätzlich untergraben werden. Ausdrücklich verbinden die Minister ihren Vorstoß mit Forderungen nach besseren Renditebedingungen für das Immobilienkapital. Diese Forderungen gesellen sich zu den anderen Angriffen der Bundesregierung auf den Sozialstaat und soziale Rechte (Wohngeld, Rente, Bürgergeld, Pflege, Gesundheitswesen, Arbeitszeit, Kündigungsschutz …).
Dies ist ein Angriff auf uns alle!
Sollte sich die Immobilienlobby durchsetzen, würde sich das Kräfteverhältnis weiter zulasten der Mietenden verschieben. Dies wäre ein weiterer Rückschlag für die soziale Wohnraumversorgung in ganz Deutschland. Zugleich würde es erschwert, in anderen Wirtschaftsbereichen einen Übergang von der privaten Profit- zur Gemeinwirtschaft anzustreben.
Um auf diese Provokation zu antworten, ist eine doppelte Strategie erforderlich:
Erstens müssen wir die reale Möglichkeit der Wohnraumvergesellschaftung in Berlin und damit ein im Grundgesetz verankertes Recht verteidigen.
Zweitens müssen wir die Vergesellschaftungsdebatte auch in anderen Bundesländern führen und über den Wohnungssektor hinaus auf weitere soziale Infrastrukturen, etwa die Energie- und Wärmeversorgung, ausweiten.
Um diese Strategie zu entwickeln und umzusetzen, wollen wir ein breites Bündnis und Kommunikationsnetzwerk aufbauen.
Wichtig ist, sich zeitnah wirksam an die Öffentlichkeit zu wenden.
Einen Anlass zu dezentralen Aktionen und zur Bündelung eines bundesweiten Protests bietet die nächste Bauministerkonferenz am 10./11. September in Berlin sowie die kurz zuvor geplante große Berliner Mietendemo am 5. September.
Wir treten der Initiative zur Bildung eines Bündnisses für die Umsetzung von Artikel 15 Grundgesetz bei und beteiligen uns an den weiteren Beratungen.
Erstunterzeichnende:
- Alexander Ein Waldt, Mieten-Kampagne Köln, Die Linke Köln
- Prof. Dr. med. Andreas Umgelter, Die Linke Berlin, Sprecher LAG Gesundheit und Pflege
- Bärbel Swinfen, Mieter-Initiative Northeim e.V.
- Barbara von Boroviczeny für die Berliner Initiative „MieterInnen Südwest“
- Bernhard Bielick, Potsdam
- Bündnis für bezahlbaren Wohnraum Düsseldorf
- Bündnis gegen Mietenwahnsinn und Verdrängung, Berlin
- Caren Lay, MdB, wohnungspolitische Sprecherin der Bundesfraktion Die Linke
- Carla O’Gallchobhair, Berlin, Mitglied Die Linke
- Christina Zeh, Heimstaden stoppen! Hamburg
- Die Linke, Kreisvorstand Stuttgart
- Deutsche Wohnen & Co. enteignen (DWE)
- Dr. Günter Bell, Stadtplaner, Mitglied des Rates der Stadt Köln, Die Linke
- Eckhard Hülshoff, Die Partei Witten, Ratsmitglied
- Edmund Schultz, Braunschweig
- Felix Wiese, Die Linke Wuppertal und DMB Wuppertal & Umgebung
- Feministische Partei DIE FRAUEN
- Fraktion Die Linke im Stadtrat Köln
- Frederico Elwing, Linke-Stadtrat, Tübingen
- Georg Daniels, Berlin
- Günter Wolff, Mieterinitiative Hamburg-Steilshoop
- Haus- und WagenRat, Leipzig
- Hamburg enteignet
- Hanno Bruchmann, Berlin
- Helmut Lattemann, LEG-Mieter, Mieterinnenverein Witten
- Helmut Schneider, Bündnis für bezahlbaren Wohnraum Düsseldorf
- Henning Ludwig, attac München
- Inge Höger, Mitglied im Landesvorstand Die Linke NRW
- Initiative Mietenwahnsinn Stoppen!, Dresden
- Irene Thompson, LEG-Mieterinitiative Erkrath
- Jacob Bohé, Die Linke Münster
- Johanna Tiarks, Fraktionsvorsitzende Linke SÖS Tierschutz, Stuttgart
- Johann Miszewski, Mieter in Köln
- Jonas Birkenstock, Die Linke Witten
- Jost Messerschmidt, Braunschweig
- Jasmina Rühl, Mitglied im Berliner Bündnis gegen Vonovia
- Julia Marmulla, wohnungspolitische Sprecherin der Linken Ratsfraktionen Düsseldorf
- Kalle Gerigk, wohnungspolitischer Aktivist, Köln
- Karlheinz Paskuda, Sprecher der BAG Städtebau und Wohnungspolitik der Linken
- Katalin Gennburg, Berliner Bundestagsabgeordnete für Die Linke, Sprecherin für Bauen & Stadtentwicklung
- Knut Unger, Witten/Wuppertal
- Kotti & Co. Die Mieter:innengemeinschaft am Kottbusser Tor, Berlin
- Kreisverband die Linke Braunschweig
- LEG Mieter:innen- Initiative Münster, Werner Szybalski
- Leipzig für Alle: Aktionsbündnis Wohnen
- Marc Meyer, Anwalt Mieterverein Mieter helfen Mietern Hamburg
- Marianne Zuhrek-Laatsch, LEG-Mieterin, Dortmund
- Michael Risthaus, Die Linke Liste, Oberhausen
- Marina Scharnowski, Mietergemeinschaft Gartenstadt Bottrop-Welheim
- Mieterbündnis Braunschweig
- Mietergemeinschaft Essen
- Mieter helfen Mietern Hamburg
- MieterInnenverein Witten u. Umg. e. V.
- Mieterverein Bochum, Hattingen u. Umg. e.V.
- Mieterverein Dortmund und Umgebung e.V.
- Plattform kritischer Immobilienaktionär*innen
- „Recht auf Stadt Köln“
- RWE und Co. enteignen
- Ruth Carsassonne, Mitglied im Berliner Bündnis gegen Vonovia
- Initiative „Sorge ins Parkcenter“, Berlin-Treptow
- StopHeimstaden, Berlin
- Stefan Thimmel, Die Linke, Berlin
- Ulf Valentin, Die Linke Düsseldorf
- Ursel Beck, Mitglied Die Linke und im Vorstand der Mieterinitiativen Stuttgart
- Yusuf Karaçelik, Fraktionsvorsitzender Linke.Liste Oberhausen
- Vergesellschaftet Bayern
- Werner Eggert, Köln
- Wohnraumbündnis Tübingen
Für Unterzeichnung / Beitritt zum Unterstützungskreis und wendet euch an:
Online-Petition (Berlin) an die SPD:
Vergesellschaftungs-Verbot stoppen! Gerechtigkeit für Berliner Mieter*innen
Termine:
Informationen, Einschätzungen, Proteste :
Ralf Hoffrogge in Jacobin: Merz erklärt der Vergesellschaftung den Krieg
TAZ: Schwarz-Rot will Enteignungsverbot durchsetzen
Die Welt: Koalition will Verstaatlichung von Mietwohnungen verbieten
rbb 24, 2.7.2026: Bundes-Koalition will Verstaatlichung von Mietwohnungen verbieten
Grundsätzlich:
DWE: Vergesellschaftung – jetzt per Gesetz!
