„Wir, die Mieter*innen, sind wütend“

Rede Christopher Khongklad bei der Hautversammlung der Vonovia  am 21.5.2026

Mein Name ist Christopher Khongklad, ich bin auf verschiedenen Ebenen politisch aktiv, studiere derzeit und spreche heute aus der Perspektive der Mieter*innen. In diesem Gebäude entscheiden Leute mit zu viel Geld gerade über die Gewinne Vonovias. Da geht es tatsächlich um echt interessante Themen wie Mieten, Sanierungen, Dividenden und Investitionen. Fein aufgeführt in Tabellen und Listen und Anträgen entscheiden Sie hier ob die alleinerziehende Mutter Ende des Monats noch essen kann oder nicht.

Ich durfte im Geschäftsbericht 2025 ein paar interessante Zahlen bemerken. Da wäre zunächst der Instandhaltungsaufwand mit den Substanzwahrenden Investitionen. Diese Summe stagniert seit mittlerweile 5 Jahren und bleibt gleich. Ok, soweit so verständlich. Die zweite Zahl ist die monatliche Ist-Miete pro m2, also die Menge an Geld, die Menschen pro Quardratmeter Wohnraum bezahlen. Die ist in den letzten Jahren hingegen von 7,33 Euro auf 8,38 Euro gestiegen, aber wie kann das denn sein?

Die Mieter*innen haben mittlerweile deutlich mehr Geld zu zahlen, aber zeitgleich erhöhen sich die Kosten zur Instandhaltung ihrer Wohnungen fast garnicht, warum? Zitat aus dem Brief des Vorstands: „Gemeinsam mit dem Aufsichtsrat werden wir der Hauptversammlung am 21. Mai 2026 eine Dividende von 1,25 Euro je Aktie vorschlagen. Das ist ein Plus von 2,5% im Vergleich zum Vorjahr.“ Zitat Ende. Während Mieter*innen in Zeiten der Krise bereits für ihre sonstigen Lebenshaltungskosten jeden Cent umdrehen müssen, können sie sich zeitgleich darüber freuen, den nächsten Privatjet der Aktionäre mitzufinanzieren. Wäre diese Dividende Ihrer Meinung nach nicht besser in jene Menschen investiert, die unter der Wohnungskrise tatsächlich leiden – die Mieter*innen?

Die Menge an Horrorgeschichten von Schimmel und Ranz, die an mich herangetragen wurde ist exorbitant. Sie sprachen von hoher Kundenzufriedenheit – an welchen Faktoren bemessen Sie das und denken Sie dass diese Kriterien tatsächlich repräsentativ für die Meinung der Mieter*innen ist?Zeitgleich machen Sie sich konkret, wie sie am besten noch die letzten paar Cent aus den Mieter*innen quetschen können. Sie machen nichts, kriegen alles, wollen am Ende des Tages aber immer noch ein bisschen mehr. Zitat aus dem Vorstandsbrief: „Die vergangenen Monate haben mir deutlich gezeigt, wieviel Innovationskraft, unternehmerische Begeisterung und gesellschaftliches Verantwortungsgefühl Vonovia auszeichnen.“. Gesellschaftliches Verantwortungsgefühl also. Danke euch, dass ihr euch dessen bewusst seid. Ich werd daran denken, wenn in der Begründung für die nächste Mieterhöhung wieder steht, die Wohnung sei gut mit Bus und Bahn zu erreichen.

Ich finde auch toll, dass die Gesellschaft euch so wichtig ist, dass ihr unter Bauchschmerzen entscheiden konntet, dass die Dividenden eurer Aktionäre es auch wirklich wert sind, dass, so der deutsche Mieterbund, eure neu inserierten Wohnungen in Essen DURCHSCHNITTLICH 25% über dem Mietspiegel liegen. Wenn Vermieter*innen Wohnungen für mehr als 20% über dem Mietspiegel vermieten, dann begehen sie damit übrigens eine Ordnungswidrigkeit. Von diesen 103 neuen Wohnungen lagen 7 Wohnungen sogar mehr als 50% über dem Mietspiegel. Ab 50% begehen Vermieter*innen sogar aktiv eine Straftat. Ich hoffe Ihnen allen ist klar, dass wir wenn wir statt „Vonovia „Ganovia“ sagen nicht nur meinen, dass die Reichen reicher werden, nein, wir meinen hier tatsächlich auch dass Sie es scheinbar nicht schaffen sich an aktuell geltendes Recht zu halten. Wenn mehr als 50% der neuen Inserate nach §5 des Wirtschaftsstrafgesetzes als „überhöht“ gelten, dann sprechen wir nicht von einem Versehen. Das sind wie gesagt Zahlen, die der Mieterbund NRW festgestellt hat. Daher die konkrete Frage: Wie stehen Sie zu diesen Zahlen? Inwiefern sind diese Ihrer Meinung nach rechtzufertigen?

Zitat aus der heutigen Rede des Vorstandsvorsitzenden von Vonovia, Luka Mucic,: „Wir haben eine verantwortungsvolle und gesellschaftlich relevante Aufgabe: „Wir geben Menschen ein Zuhause. Das ist unser Purpose. Das empfinde ich als tief sinnstiftend.“ Zitat Ende. Ich sage es Ihnen nochmal sehr konkret: Wir, die Mieter*innen, sind wütend. Die Notlage der Menschen wird auf eine Art und Weise ausgenutzt, wie Sie sie sonst nur in überzogenen Cartoons finden würden. Wohnen ist ein Grundrecht –  dieser Satz wurde heute auch bereits erwähnt. Ich würde mich freuen, wenn Sie diesen Satz verinnerlichen und entsprechend handeln. Vielen Dank.