Zusammensetzung der Mietsteigerung bei der Vonovia

Quelle: Geschäftsberichte der Vonovia
In den Jahren 2017 bis 2018 waren Mietsteigerungen nach Modernisierungen der mit Abstand wichtigeste Mietenreber bei der Vonivia.

Quelle: Geschäftsberichte der Vonovia
In den Jahren 2017 bis 2018 waren Mietsteigerungen nach Modernisierungen der mit Abstand wichtigeste Mietenreber bei der Vonivia.
Zur heutigen Hauptversammlung der LEG Immobilien AG schlägt der Vorstand die Ausschüttung einer Dividende in Höhe von 257 Mio. Euro an die Aktionäre vor. Diese Ausschüttung belastet die Bruttomieteinnahmen des Jahres 2019 zu 44 %. Die Plattform kritischer ImmobilienaktionärInnen hält diese extrem hohe Abschöpfung der Einkommen der MieterInnen für unverantwortlich, insbesondere in der Corona-Krise. Erforderlich sei stattdessen eine Umverteilung der hohen Überschüsse für eine Deckelung der Mieten, die Senkung der Mieten für die Krisengeschädigten auf 33 % der Einkommen, sowie für die Instandsetzung und klimagerechte Erneuerung der Wohnungsbestände und die Umstellung automatisierter Abläufe auf einer mieternahen Verwaltung.
MieterberaterInnen werfen der Vonovia vor, die lokalen Mietenniveaus durch Modernisierungen und hohe Neuvertragsmieten anzutreiben. Die Zeche zahlen neben den MieterInnen auch die öffentlichen Haushalte, die immer mehr für die Deckung der Kosten der Unterkunft aufbringen müssen. Wie lange wird es dauern, bis darauf nicht nur in Berlin, sondern überall, Reaktionen der Gesetzgeber erfolgen? Reichen schöne Worte aus, diese Risiken für die Rendite abzuwenden? Macht ein Vorstand, der ständig Proteste und politische Reaktionen provoziert, eigentlich seine Arbeit gut genug, um von den AktionärInnen entlastet zu werden?
359 Millionen Euro betrug der Bilanzgewinn der Deutsche Wohnen SE im Jahr 2019. Anstatt den Gewinn an die Aktionäre auszuschütten und in weitere mietsteigernde Maßnahmen zu investieren, soll der Konzern die Mieten auf maximal ein Drittel der Einkommen der MieterInnen senken, ihre Schulden streichen und den Rest in eine Bauernerneuerungsrücklage und einen Corona-Solidarfonds stecken. Dies fordert die Plattform kritischer Immobilienaktionär*innen in einem Gegenantrag zur virtuellen Hauptversammlung am 5. Juni 2020. Die vom Vorstand vorgeschlagene extrem hohe Abschöpfung der Erwerbseinkommen und Sozialleistungen der MieterInnen sei unter den gegebenen Bedingungen der Pandemie und ihrer sozialen Folgen unerträglich. Im Interesse der Mieterschaft, der Belegschaft und der ganzen Gesellschaft müsse das Unternehmen jetzt auf seine möglichst kostengünstige und wohlgeordnete Vergesellschaftung vorbereitet werden.
Nach den Daten des aktuellen Geschäftsberichtes der Vonovia SE ist Umsatz der Insichgeschäfte des Konzerns (Value Add intern) gegenüber 2018 um 18 % auf nunmehr 1,5 Mrd. € gestiegen. Das operative Ergebnis („EBITDA“) dieses Segments betrug 121 Mio. Euro. Es ist ein, wie die Geschäftsberichte betonen, strategisches Ziel der Vonovia SE, die Gewinne aus diesem Segment zu steigern.
[UPDATE 4.8.2019] Die Vonovia SE hat ihren Geschäftsbericht für das erste Halbjahr 2019 vorgelegt. Laut Selbstdarstellung setzt sie ihre „positive Entwicklung“ fort. Die Selbstanpreisung wird aber durch einige Schönheitsfehler gestört: Die Vonovia musste eine hohe Abschreibung an ihrem immateriellen Unternehmenswert vornehmen. Die Quote „organischer Mietsteigerungen“ ohne Neubau ging von 4,0 % auf 3,7 % zurück. Und schließlich sitzen der Vonovia Mieterproteste und drohende Mietpreiskontrollen im Nacken. Zur Ausbesserung seiner angeschlagenen Reputation greift der Konzern mittlerweile zu teilweise absurd anmutenden Propagandamitteln.
Die ehemals landeseigene LEG Immobilien AG in NRW hat insgesamt 2.700 ihrer Wohnungen an Finanzinvestoren verkauft. Was haben die Erwerber mit den Siedlungen vor? Dazu wird am Freitag, dem 12.Juli 2019, in Dorsten-Barkenberg eine Diskussionsveranstaltung stattfinden.
Beschlussvorschlag:
Die Dividendenausschüttung wird auf 4 %der Netto-Kaltmieten der LEG Immobilien AG im Jahre 2018 beschränkt. Bei 560,2 Mio. Euro Nettokaltmiete entspricht dies 22.408.000 Euro. Der Differenzbetrag zum Verwendungsvorschlag des Vorstandes soll für die Bauerneuerung, die Verbesserung der örtlichen Wohnungsverwaltung und die Senkung überhöhter Mieten auf die ortsüblichen Vergleichsmieten verwandt werden.